In Deutschland haben rund 8,5 Millionen Menschen eine private Krankenversicherung (PKV). Verglichen mit den 50 Millionen zahlenden Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist das eher eine Minderheit. Im Gegensatz zur GKV basiert die PKV nicht auf einem solidarischen Generationenvertrag, sondern auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Jeder erhält das im Schadensfall als Leistung zurück, was er zuvor selbst bezahlt und angespart hat.
Nur wer drei Jahre hintereinander über ein Einkommen von derzeit mehr als 49.950 Euro pro Jahr verfügt, darf sich in Deutschland privat versichern. Selbstständige, die nicht sozialversicherungspflichtig sind, können ebenfalls eine PKV abschließen. Eine weitere Zielgruppe sind Beamte (Beihilfetarife).
Die rund 40 privaten Krankenversicherer in Deutschland bieten eine Vielzahl von Tarifen, deren Leistungen sich wie in einem Baukasten zusammensetzen.
- Ambulant: Als Privatpatient haben Sie meistens eine Vorzugsbehandlung bei Ärzten, wie z. B. kürzere Wartezeiten, andere Wartezimmer und bessere Behandlungsmethoden. Dafür dürfen die Ärzte bis zum 3,5fachen des Gebührensatzes abrechnen. Manche Versicherungen gehen auch darüber hinaus. Auch die Heilpraktikerkosten werden meist bis zu 80 Prozent übernommen. Bei psychotherapeutischen Behandlungen ist die Übernahme von bis zu 30 Sitzungen üblich.
- Krankenhaus: Die bekanntesten Vorteile und Zugpferde der PKV sind Ein- oder Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung. Prüfen Sie daneben aber weitere Leistungen, wie z. B. Krankentransport, Krankenhaustagegeld und psychotherapeutische Behandlung im Krankenhaus.
- Zahnbehandlung: Übernahme der Kosten für Zahnersatz und Inlays (z. B. zu 65 Prozent), Zahnbehandlungen (zu 90 Prozent).
- Weitere Leistungen: Erstattung von Vorsorgeuntersuchungen, Heilmittel, Arzneimittel, Sehhilfen, Hilfsmittel (Prothesen, Hörgeräte usw.), Krankentagegeld.
Mit Inkrafttreten der Gesundheitsreform 2007 müssen private Krankenversicherungen einen Standardtarif anbieten, der mit den durchschnittlichen Leistungen der GKV vergleichbar ist.
Weiterführende Literatur
Boetius, J.: Private Krankenversicherung, 2010.
